Die ersten Tage

Unterkünfte gibt es in Saint-Jean-Pied-de-Port mehr als genug. Außerhalb der Hauptsaison muss man sich in der Regel keine großen Sorgen machen, trotzdem ist eine Reservierung sicher nicht verkehrt. Außerdem finde ich, dass man sich vor dem Start ruhig noch einmal ein eigenes, ruhiges Zimmer gönnen sollte – ohne 20 weitere Pilger im Raum. Der Camino beginnt früh genug.

Unsere letzte Unterkunft war die Villa Goxoki. Sie liegt direkt am Start des Weges, sodass wir bereits einige Pilger beobachten konnten, die ihre erste Etappe in Angriff nahmen. Durch das viele Gehen am Vortag – wir mussten noch den ersten Stempel holen und ein paar Kleinigkeiten besorgen – hatten wir bereits müde Beine, ohne überhaupt einen offiziellen Kilometer am Camino gegangen zu sein.

houses in saint jean pied de port france

Die Nacht war äußerst ruhig und erholsam. Während man in Österreich zu dieser Zeit oft wegen der Hitze kaum schlafen kann, wird es am Fuß der Pyrenäen abends angenehm kühl – ein guter Ort, um zur Ruhe zu kommen und Kraft zu sammeln.

Nach einem ausgezeichneten Frühstück und unserem zweiten Stempel begann dann endlich der lang erwartete Camino. Bereits nach dem ersten Kilometer war klar: Ja, jetzt bin ich wirklich am Jakobsweg. Große Gruppen mit zwanzig Pilgern waren ebenso unterwegs wie Einzelpersonen, die ganz für sich gingen.

Nach einem längeren Abschnitt, der ausschließlich bergauf führte, erreichten wir die Herberge Orisson. Es war zu diesem Zeitpunkt erst 10 Uhr, doch bereits alle Betten waren vergeben. Unser Tagesziel lag ohnehin weiter entfernt – im Dorf Roncesvalles. Nach einem Kaffee und einem Croissant machten wir uns wieder auf den Weg.

Der Weg führte weiter bergauf, vorbei an Pferdeherden und durch beeindruckende Landschaften. Dann, fast unerwartet, tauchte er in der Ferne auf: der unter Pilgern bekannte Foodtruck, der genau das anbietet, was man nach dem anstrengenden Anstieg über die Pyrenäen braucht. Für einen kurzen Moment konnten wir es kaum glauben – der Hauptanstieg war geschafft. Natürlich folgten noch einige Höhenmeter und später auch der kniebelastende Abstieg, aber fürs Erste durfte man stolz sein.

Vorbei an der Rolandsquelle, dem besten Wasser, das ich bis heute getrunken habe, und durch einen Wald, der direkt aus einem Märchen der Gebrüder Grimm stammen könnte, ging es immer weiter bergab. Man hört es oft – auch bei Hape Kerkeling – dass man lange das Gefühl hat, gar nicht in Spanien anzukommen. Doch dann ging alles schneller als erwartet. Hinter einer kleinen Erhöhung tauchte es plötzlich auf: das Kloster von Roncesvalles.


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